Seminar: Weimar als deutscher Erinnerungsort

Die ehemalige thüringische Residenzstadt Weimar spielt im historischen Bewusstsein eine besondere Rolle als Ort bedeutender kultureller und politischer Ereignisse und Entwicklungen. In Weimar entfaltete sich am Ende des 18. Jahrhunderts die sogenannte deutsche Klassik, eine Periode herausragender literarischer, philosophischer und künstlerischer Leistungen, verkörpert in den Personen von Goethe, Schiller, Herder und anderen. In politischer Hinsicht gehörte das Großherzogtum Weimar im 19. Jahrhundert zu den liberalsten deutschen Staaten, der sich durch eine intensive Kulturpolitik hervortat. Den Höhepunkt seiner politischen Bedeutung erlangte Weimar dann in den 1920er Jahren als der Ort, an dem die demokratisch gewählte Nationalversammlung zusammentrat und Deutschland eine freiheitliche Verfassung gab. Die „Weimarer Republik“ ist bis heute ein zentraler Bezugspunkt für die politische Orientierung in Deutschland geblieben, gerade auch im Hinblick auf die Ursachen ihres Scheiterns. Eine Folge dieses Scheiterns war das Nazi-Regime, das in unmittelbarer Nähe der Stadt eine Stätte des Grauens errichtete, die sich ebenfalls mit dem Namen von Weimar verbindet: das KZ Buchenwald. Das Seminar widmet sich diesen verschiedenen Aspekten und den Bedeutungen Weimars für die deutsche Geschichte der letzten zweieinhalb Jahrhunderte.

Die Lehrveranstaltung findet nicht in Präsenz, sondern ausschließlich online statt. Interessierte Studierende werden gebeten, sich per E-Mail direkt beim Dozenten anzumelden.

Beginn: 22.04.2021, 14.15 Uhr  /  Letzte Sitzung: 15.07.2021, 14.15 Uhr

Leistungsnachweis: schriftliche Hausarbeit (36.000 Zeichen), Abgabe bis: 31. August 2021

Seminarprogramm:

Die Teilnehmer*innen werden gebeten, sich von den angegebenen Themen eines für eine Kurzpräsentation (max. 20. Minuten) auszuwählen. Die Kurzpräsentationen 4, 5, 9 und 10 können auch von zwei Studierenden gemeinsam übernommen werden.

22. April 2021 Videokonferenz Einführungssitzung
6. Mai 2021 Videokonferenz

Das Konzept des Erinnerungsorts (lieu de mémoire) von Pierre Nora

Bitte bereiten Sie dazu folgende Texte vor:

Berthold Unfried, Gedächtnis und Geschichte. Pierre Nora und die lieux de mémoire, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 4, 1991, S. 79–99.

Cornelia Siebeck, Erinnerungsorte, Lieux de Mémoire, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 02.03.2017

20. Mai 2021 Videokonferenz

Warum Weimar? Die Ausbildung Weimars als literarisches und kulturelles Zentrum am Ende des 18. Jahrhunderts

Kurzpräsentation 1: Historische Entwicklung im Herzogtum Sachsen-Weimar 1750–1800 (G. J. und J. B.)

Kurzpräsentation 2: Was ist „Klassik“? (T. Sch.)

Kurzpräsentation 3: Die Protagonisten der Weimarer Klassik (A. I.)

27. Mai 2021 Videokonferenz

Der Goethe-Schillerkult in Weimar im 19. Jahrhundert

Kurzpräsentation 4: V. R. und A. K.

10. Juni 2021 Videokonferenz

Die Entwicklung des Goethehauses zum Nationalmuseum

Kurzpräsentation 5: R. R.

17. Juni 2021 Videokonferenz

Die Weimarer Republik als politischer Erinnerungsort / Präsentation durch M. A., A. H. und K. St.

Kurzpräsentation 6: Welche Ereignisse aus der Weimarer Republik sind im kollektiven Gedächtnis bzw. im historischen Bewusstsein präsent? Welche davon sind positiv (als Vorbild und zukunftsweisend) und welche negativ (als Warnung) konnotiert?

Kurzpräsentation 7: Wie wird die Zeit der Weimarer Republik heute medial präsentiert? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund, welche werden vernachlässigt? Und inwiefern ist dieses Bild mit der historischen Realität vereinbar oder nicht?

Kurzpräsentation 8: Welche aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland rufen Erinnerungen an die Weimar Republik wach? Welchen Stellenwert hat das Scheitern der Weimarer Republik in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion?

24. Juni 2021 Videokonferenz

Das KZ Buchenwald: Einrichtung, Entwicklung, Befreiung

Kurzpräsentation 9: St. G.

8. Juli 2021 Videokonferenz

Jorge Sempruns biographischer Roman „Die große Reise“ (erhältlich als Suhrkamp TB, 10,00 €)

Kurzpräsentation 10: S. D.

15. Juli 2021 Videokonferenz Abschlusssitzung

 

Literaturhinweise:

Pierre Nora (Hrsg.), Erinnerungsorte Frankreichs. München 2005.

Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire. 7 Bde. Paris 1984–1994.

Etienne François/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte. 3 Bde. München 2001.

Pim den Boer/Heinz Duchhardt/Georg Kreis/Wolfgang Schmale (Hrsg.), Europäische Erinnerungsorte. 3 Bde. München 2012.

Stefan Berger/Joana Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte: Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzeptes in den Kulturwissenschaften. Essen 2014.

Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999.

Norbert Oellers/Robert Steegers, Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes. 2. Aufl. Stuttgart 2009.

 

Themenvorschläge für Hausarbeiten:

1. Die „Goethezeit“ in Weimar: Bedeutung und kulturelle Ausstrahlung

2. Das Weimarer Goethehaus als Nationalmuseum: Entstehung, Entwicklung und Bedeutung

3. Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar: Geschichte und Rezeption

4. Die Weimarer Republik als politischer Erinnerungsort

5. Die Gedenkstätte Buchenwald als Erinnerungsort

6. Weimar als „Erinnerungsraum“: Eine Symbiose von Kunst, Natur und Architektur

7. Erinnerungsorte auf dem Campus Westend der Goethe-Universität

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