Getreideernte

Die Fotos zeigen Bauern aus dem Dorf Eichen in der Wetterau bei der Getreide-, Heu- und Kartoffelernte. Die Bilder stammen aus den 1930er bis 1950er Jahren. Die Feldarbeit war damals überwiegend noch zeitaufwändige Handarbeit, bei der alle Familienmitglieder mithalfen, um die Ernte einzubringen. Das Getreide wurde mit dem Reff gemäht, die Familienmitglieder trugen das geschnittene Getreide zusammen, banden es zu Garben und stellten diese zusammen. Anschließend wurden die Garben mit Pferdefuhrwerken zum Hof gefahren, wo das Korn dann von Hand ausgedroschen wurde.

Das Archiv der Kirchengemeinde Eichen-Erbstadt, aus dem die Aufnahmen stammen, enthält Dutzende von alten Bildern, welche die ländliche Arbeits- und Lebensweise vom Beginn des 20. Jahrhunderts an dokumentieren. Diese Fotos spiegeln mein Interesse an der lokalen Geschichte wieder, ganz speziell der Geschichte meines Wohnortes Eichen, 25 Kilometer nordöstlich von Frankfurt gelegen. Dieses Dorf, das im Jahr 1035 erstmals urkundlich erwähnt wurde und heute knapp 2000 Einwohner zählt, hat – wie jede Gemeinde – eine interessante, aber wenig erforschte Vergangenheit.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf von marodierenden Soldaten vollständig zerstört, mindestens die Hälfte der gut 300 Einwohner kam bei der Brandschatzung am 15. Mai 1635 ums Leben. Drei Jahrzehnte später, 1664, kam der Pfarrer Aegidius Henning (ca. 1630–1686) nach Eichen, der hier bis zu seinem Tod als Gemeindepfarrer amtierte und in seinem 1674 veröffentlichen Buch „Nagelneue Bauren Anatomia“ ein satirisch überzeichnetes, aber gleichwohl viele wertvolle Informationen enthaltendes Porträt der Dorfgesellschaft seiner Zeit zeichnete. Die Geschichte Eichens im Ersten Weltkrieg wurde anlässlich der 100. Wiederkehr des Kriegsausbruchs 2014 in einer regionalen Ausstellung dokumentiert.



Saatkartoffeln 1948
Alle Fotos: Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Eichen-Erbstadt, Bildersammlung.